Zwei Heiz-Zeiträume fair vergleichen – hat die Sanierung wirklich etwas gebracht?
Methode wie beim Verbrauchsausweis (BAnz AT 16.04.2021 B1): nur der Heizanteil wird mit dem Klimafaktor bzw. dem Gradtagszahl-Verhältnis auf Normalwetter umgerechnet, Warmwasser bleibt unbereinigt. Klimafaktoren: kostenlos und PLZ-genau beim Deutschen Wetterdienst. Umrechnung der Mengen mit den Heizwerten der HeizkostenV. Keine Rechtsberatung.
Der Winter nach der Sanierung war mild — und schon sieht die Dämmung besser aus, als sie ist. Oder er war streng, und die neue Wärmepumpe wirkt enttäuschend. Die Witterungsbereinigung rechnet diesen Wettereffekt heraus: Der Heizanteil des Verbrauchs wird mit dem Klimafaktor des jeweiligen Zeitraums auf ein Normal-Wetterjahr umgerechnet — genau so, wie es auch beim Verbrauchsausweis vorgeschrieben ist. Erst danach zeigt der Vergleich zweier Jahre die echte Wirkung einer Sanierung, eines Heizungstauschs oder eines geänderten Heizverhaltens.
Kostenlos vom Deutschen Wetterdienst: Die DWD-Klimafaktoren gibt es postleitzahlgenau für jeden 12-Monats-Zeitraum (dwd.de → Leistungen → Klimafaktoren, monatlich aktualisiert). Ein Faktor über 1 bedeutet: Der Zeitraum war wärmer als das Referenzklima, der Verbrauch wird hochgerechnet. Typische Werte liegen zwischen 0,9 (kalte Höhenlagen) und 1,3 (milde Rheinschiene). Alternativ rechnet der Rechner mit Gradtagszahlen deines Standorts.
Weil Duschen nicht vom Wetter abhängt. Der Warmwasseranteil ist übers Jahr nahezu konstant und würde die Bereinigung verfälschen. Der Rechner zieht ihn deshalb vor der Bereinigung ab – pauschal mit 20 kWh je m² Gebäudenutzfläche (wie beim Energieausweis) oder mit deinem eigenen Prozentanteil – und addiert ihn danach wieder dazu.
Die Gradtagszahl (Kelvin-Tage) misst, wie kalt ein Jahr war: Summe aus (20 °C − Tagesmitteltemperatur) über alle Heiztage. Der Heizverbrauch wird mit dem Verhältnis langjähriges Mittel ÷ Gradtagszahl des Zeitraums skaliert. War das Jahr 10 % zu warm (niedrige Gradtagszahl), wird der Verbrauch um ~10 % hochgerechnet.
Mehr als die meisten denken: Zwischen einem milden und einem strengen Winter liegen in Deutschland gut 15–25 % Heizverbrauch – so viel wie eine ordentliche Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle. Wer Jahre ohne Bereinigung vergleicht, kann eine Sanierung deshalb komplett falsch bewerten.
Ein bereinigtes Jahr ist ein guter erster Beleg. Noch belastbarer werden die Zahlen mit zwei bis drei Jahren vor und nach der Maßnahme, weil auch Nutzerverhalten (Homeoffice, Raumtemperatur, Lüften) schwankt. Große Abweichungen vom erwarteten Effekt sind ein Anlass, Heizkurve und hydraulischen Abgleich zu prüfen.