Werbeversprechen wie „bis zu 400 € Stromkosten im Jahr sparen“ sind rechnerisch nachvollziehbar — sie unterstellen nur, dass jede erzeugte Kilowattstunde auch im Haus verbraucht wird. Das ist ohne Speicher nicht erreichbar, und mit Speicher nicht wirtschaftlich. Die folgende Rechnung nutzt deshalb den Eigenverbrauch als Ausgangsgröße. Grundlage sind die Modellwerte des Fachwerte-Rechners: 800 Wp an einem 800-W-Wechselrichter, Süd 35°, unverschattet; Haushalt mit 3.000 kWh Jahresverbrauch und 175 W Grundlast; 35 ct/kWh, 2 % jährliche Strompreissteigerung, 1 % Instandhaltungsrücklage, 0,5 % Degradation, Betrachtungszeitraum 15 Jahre.
1 · Die Formel — und warum „Ertrag × Strompreis“ falsch ist
Jahre = Anschaffung / (Eigenverbrauch [kWh] × Strompreis − Rücklage)
Rücklage = rund 1 % der Anschaffung pro Jahr für Instandhaltung. Der Nenner ist die
jährliche Netto-Ersparnis. Nicht der Ertrag steht in der Klammer, sondern der Teil
davon, der im eigenen Haushalt verbraucht wird.
Der Unterschied ist kein Detail. Mit dem vollen Ertrag gerechnet ergäben 800 kWh × 0,35 €/kWh rund 280 € im Jahr und damit 1,4 Jahre Amortisation. Tatsächlich fließt der Überschuss sonniger Mittagsstunden ins Netz, und dort bringt er nichts: Der EEG-Satz von 7,70 ct/kWh existiert zwar, lohnt für eine Steckersolaranlage wegen des nötigen Zählers und des Meldeaufwands aber nicht — in der Praxis wird unvergütet eingespeist. Wer mit dem Ertrag rechnet, überschätzt die Ersparnis daher um gut die Hälfte.
2 · Die Beispielrechnung Schritt für Schritt
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Jahresertrag | 800 Wp, Süd 35°, 1.080 kWh/m² | 800 kWh |
| davon selbst verbraucht | 3.000 kWh/a Haushalt, 175 W Grundlast | 519 kWh (65 %) |
| Ersparnis brutto | 519 kWh × 0,35 €/kWh | 182 € |
| Instandhaltungsrücklage | 1 % von 400 € | − 4 € |
| Netto-Ersparnis Jahr 1 | 182 € − 4 € | 178 € |
| Amortisation | 400 € ÷ 178 €/a | ≈ 2,2 Jahre |
| Ersparnis Ø über 15 Jahre | inkl. 2 % Preissteigerung, 0,5 % Degradation | ≈ 209 €/a |
| Stromgestehungskosten | Anschaffung + Rücklage ÷ Ertrag über 15 Jahre | 4,8 ct/kWh |
| CO₂-Einsparung | 800 kWh × 344 g/kWh (UBA 2025) | ≈ 275 kg/a |
Bezogen auf den Kaufpreis entspricht die Ersparnis des ersten Jahres einer Rendite von 182 € ÷ 400 € ≈ 45 %. Diese Zahl beeindruckt, sollte aber richtig eingeordnet werden: Sie beschreibt eine ersparte Ausgabe, keine Auszahlung, und sie gilt nur, solange der Strompreis auf dem angesetzten Niveau bleibt. Belastbarer ist die Stromgestehungszahl: 4,8 ct/kWh gegenüber 35 ct aus dem Netz — das ist der eigentliche Grund, warum die Rechnung aufgeht.
3 · Amortisation nach Set-Preis und Strompreis
Zwei Größen entscheiden über das Ergebnis, und beide sind vor dem Kauf bekannt. Die Tabelle zeigt die Amortisationszeit in Jahren für ein 800-Wp-Set mit unverändertem Eigenverbrauch von 519 kWh:
| Set-Preis ↓ / Strompreis → | 25 ct | 30 ct | 35 ct | 40 ct |
|---|---|---|---|---|
| 300 € | 2,3 J | 1,9 J | 1,6 J | 1,4 J |
| 400 € (Referenz) | 3,1 J | 2,6 J | 2,2 J | 1,9 J |
| 500 € | 3,8 J | 3,2 J | 2,7 J | 2,4 J |
| 700 € | 5,4 J | 4,5 J | 3,8 J | 3,4 J |
| Ersparnis 1. Jahr | 130 € | 156 € | 182 € | 208 € |
Einordnung der Spalten (Stand 08/2026): Der BDEW-Durchschnitt liegt bei 37,0 ct, Neukundentarife bei rund 25 ct, die Grundversorgung bei etwa 40 ct — 2026 ist der Strompreis erstmals gesunken. Sets mit 800–1.000 Wp kosten 250–500 €, Sets mit 2.000 Wp 400–800 €, jeweils mit 0 % Mehrwertsteuer.
Bemerkenswert an der Matrix ist weniger die Bandbreite als ihre Obergrenze: Selbst der ungünstigste Fall — teures Set, günstiger Tarif — bleibt mit 5,4 Jahren deutlich unter der Lebensdauer der Module von 25 bis 30 Jahren.
Passendes Werkzeug Balkonkraftwerk-Rechner Eigenverbrauch, Ersparnis und Amortisation aus den eigenen Werten — Grundlast, Jahresverbrauch, Ausrichtung, Setpreis und Strompreis, über 15 Jahre gerechnet.4 · Was die Rechnung kippt
| Faktor | Wirkung auf die Amortisation |
|---|---|
| Niedrige Grundlast (kleine Wohnung, wenig Dauerverbraucher) | der größte Hebel — die Eigenverbrauchsquote fällt Richtung 25 % statt 65 %, die Ersparnis sinkt entsprechend |
| Abwesenheit tagsüber | kaum spürbar: Zwischen den Nutzungsprofilen bewegt sich die Quote im Modell nur zwischen 66 und 69 %, weil die Grundlast durchläuft |
| Nordlage | Süd 35° 800 kWh, Nord 35° 440 kWh, Nord 90° 154 kWh — senkrecht nach Norden ergibt 7,6 Jahre statt 2,2 |
| Verschattung | Geländer, Baum oder Nachbargebäude wirken überproportional, weil ein teilverschattetes Modul den ganzen String bremst |
| Neukundentarif ~25 ct | statt 2,2 Jahre werden 3,1 Jahre daraus — jede gesparte kWh ist ein Drittel weniger wert |
| Vergessene Anschaffungskosten | Halterung 50–150 €, Kabel und Verlängerung, Versand, ggf. Messsteckdose — schnell eine Preisstufe in der Matrix |
| Wechselrichter-Tausch | nach 10–15 Jahren fällig, während die Module 25–30 Jahre halten; im 15-Jahres-Horizont einzuplanen |
Die ersten beiden Zeilen zusammen sind die eigentliche Botschaft: Nicht die Frage „bin ich mittags zu Hause?“ entscheidet, sondern wie viel der Haushalt rund um die Uhr zieht und wie hoch der Jahresverbrauch insgesamt ist. Eine Kühl-Gefrier-Kombination, ein Router, eine Heizungspumpe und mehrere Netzteile ergeben zusammen bereits eine Grundlast, die den Ertrag eines 800-Wp-Sets über weite Teile des Jahres vollständig aufnimmt (Ertragswerte je Ausrichtung).
5 · Mehr Module, Speicher, Einspeisung
Seit dem Solarpaket I vom 16.05.2024 sind 800 VA Wechselrichterleistung bei bis zu 2.000 Wp Modulleistung zulässig; anzumelden ist nur der Eintrag im Marktstammdatenregister binnen eines Monats. Damit stellt sich die Frage, ob mehr Module die Rechnung verbessern:
| Variante | Ertrag / Eigenverbrauch | Amortisation |
|---|---|---|
| 800 Wp für 400 € (Referenz) | 800 kWh / 519 kWh (65 %) | 2,2 Jahre |
| 1.000 Wp für 450 € | 999 kWh / 576 kWh | 2,2 Jahre |
| 2.000 Wp an 800 W für 700 € | 1.680 kWh nutzbar / 753 kWh (46 %) | 2,7 Jahre |
| Süd senkrecht (90°), 400 € | 563 kWh | 2,6 Jahre |
| Nord senkrecht (90°), 400 € | 154 kWh | 7,6 Jahre |
| + 2-kWh-Speicher (700 €) an 800 Wp | Mehr-Ersparnis ≈ 51 €/a | ≈ 14 Jahre für den Speicher |
Die 2.000-Wp-Variante zeigt den Kappungseffekt: Rund 16 % der erzeugten Energie gehen am 800-W-Wechselrichter verloren, und die Eigenverbrauchsquote fällt von 65 auf 46 %, weil der Mittagsüberschuss wächst, ohne einen Abnehmer zu haben. Absolut werden trotzdem mehr Kilowattstunden selbst genutzt (753 statt 519), die Amortisation verlängert sich nur leicht — und die Anlage liefert im Winter und in der Übergangszeit deutlich mehr (2.000 Wp an 800 W im Detail).
Der Speicher ist die einzige Position, die sich an einem 800-Wp-Set klar nicht rechnet: 700 € gegen rund 51 € zusätzliche Ersparnis pro Jahr ergeben etwa 14 Jahre — mehr als die zu erwartende Lebensdauer, denn ein Tausch steht nach rund 10 Jahren an. Dazu kommt der Standby-Verbrauch von 5 bis 15 W, also 45 bis 130 kWh im Jahr, der die Mehr-Ersparnis weiter schmälert. An 2.000 Wp mit ihrem großen Mittagsüberschuss sieht es mit rund 4 Jahren anders aus (Speicher im Vergleich).
6 · Häufige Fragen
Wie berechnet man die Amortisation?
Anschaffungskosten geteilt durch die jährliche Ersparnis — und die jährliche Ersparnis entsteht ausschließlich aus dem selbst verbrauchten Strom: Eigenverbrauch in kWh × Strompreis, abzüglich rund 1 % des Kaufpreises als Instandhaltungsrücklage. Für die Referenzanlage: 400 € ÷ 178 € = 2,2 Jahre. Der Ertrag allein taugt nicht als Rechengröße, weil eingespeister Strom praktisch nichts einbringt.
Warum spare ich weniger als der Rechner sagt?
Meist stimmt einer von drei Werten nicht: die Grundlast, der Standort oder der Strompreis. Eine kleine Wohnung mit geringer Grundlast nutzt einen deutlich kleineren Anteil des Ertrags selbst — in der Praxis reicht die Eigenverbrauchsquote von 25 bis 65 %. Eine Nordlage oder Verschattung senkt den Ertrag um ein Vielfaches dessen, was die Nutzungsgewohnheit ausmacht. Und wer im Neukundentarif bei rund 25 statt 35 ct liegt, spart pro Kilowattstunde ein Drittel weniger.
Wie hoch ist der Eigenverbrauch wirklich?
Im Modell der Referenzanlage sind es 519 von 800 kWh, also 65 %. In der Praxis reicht die Spanne von 25 bis 65 %. Entscheidend sind Grundlast und Jahresverbrauch, nicht die Anwesenheit: Zwischen Homeoffice- und Berufstätigen-Profil bewegt sich die Quote im Modell nur zwischen 66 und 69 %, weil die durchlaufende Grundlast den Verlauf dominiert.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk 2026 noch?
Rechnerisch ja: Sets mit 800–1.000 Wp kosten im August 2026 zwischen 250 und 500 € bei 0 % Mehrwertsteuer, während der Strompreis im BDEW-Durchschnitt bei 37,0 ct liegt. Für die Referenzanlage ergibt das 2,2 Jahre Amortisation und Stromgestehungskosten von 4,8 ct/kWh. Die Rechnung kippt vor allem bei sehr niedriger Grundlast, bei Nordlage oder Verschattung und bei einem Strompreis um 25 ct.
Stand: 29.08.2026. Ertrags-, Eigenverbrauchs- und Wirtschaftlichkeitswerte aus dem Modell des Fachwerte-Balkonkraftwerk-Rechners: 800 Wp an 800-W-Wechselrichter, Süd 35°, unverschattet, deutsches Strahlungsmittel 1.080 kWh/m²; Haushalt 3.000 kWh/a mit 175 W Grundlast; 35 ct/kWh, 2 % Strompreissteigerung, 1 % Instandhaltungsrücklage, 0,5 % Degradation, 15 Jahre Betrachtung. Preisspannen nach Marktbeobachtung 08/2026, Strompreis-Einordnung nach BDEW, CO₂-Faktor 344 g/kWh nach UBA 2025. Keine Steuer- oder Rechtsberatung. Weiterlesen: Ertrag nach Ausrichtung · Lohnt sich ein Speicher? · 2.000 Wp an 800 W