„Bei uns im Süden wird das nichts mit der Wärmepumpe" — der Satz fällt in jeder zweiten Standort-Diskussion. Aber wie groß ist der Klimaeffekt wirklich? Wir haben es mit dem Rechenmodell unseres Wärmepumpen-Rechners (Carnot-Gütegrad-Modell, kalibriert an den Fraunhofer-ISE-Feldmessungen) für die sieben deutschen Klimazonen der PLZ-Gebiete durchgerechnet — bei sonst identischem Haus. Das Ergebnis dürfte die Standort-Skeptiker überraschen.
1 · Die Regionaltabelle
Jahresarbeitszahl (inkl. Warmwasser) einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, durchschnittliche Installationsqualität, nach Auslegungs-Vorlauftemperatur — sowie Sole-Wasser als Vergleich:
| Klimaregion (PLZ-Zone) | Norm-Außentemp. | LWP · FBH (35 °C) | LWP · NT-HK (45 °C) | LWP · Radiatoren (55 °C) | Sole · FBH |
|---|---|---|---|---|---|
| Küste/Norddeutschland (2) | −10 °C | 3,90 | 3,47 | 3,12 | 4,30 |
| NRW/Rheinland (4, 5) | −10 °C | 3,90 | 3,47 | 3,12 | 4,30 |
| Niedersachsen/Nordhessen (3) | −12 °C | 3,84 | 3,42 | 3,08 | 4,30 |
| Hessen/RLP/Baden-Württ. (6, 7) | −12 °C | 3,84 | 3,42 | 3,08 | 4,30 |
| Sachsen, Berlin/Brandenburg (0, 1) | −14 °C | 3,79 | 3,37 | 3,04 | 4,29 |
| Franken/Oberpfalz (9) | −14 °C | 3,79 | 3,37 | 3,04 | 4,29 |
| Südbayern/Alpenvorland (8) | −16 °C | 3,73 | 3,33 | 3,01 | 4,29 |
Norm-Außentemperaturen vereinfacht je PLZ-Zone (Systematik nach DIN EN 12831). Innerhalb einer Zone variiert das Klima mit Höhenlage und Mikrolage weiter — die Tabelle zeigt den Zoneneffekt, keine Ortswerte.
2 · Was das in Euro heißt
| Effekt | ΔJAZ | Mehrstrom (15.000 kWh Wärme) | Mehrkosten/Jahr (25 ct) |
|---|---|---|---|
| Region: Küste → Alpenvorland (bei 45 °C) | −0,14 | +180 kWh | ≈ 45 € |
| Vorlauf: 35 → 55 °C (deutsches Mittel) | −0,77 | +960 kWh | ≈ 240 € |
| Anlagenqualität: sorgfältig → ungünstig | bis −0,5 | +600 kWh | ≈ 150 € |
Der Standort ist damit der kleinste der drei großen Einflussfaktoren — und der einzige, den niemand ändern kann. Die beiden anderen sind gestaltbar: Vorlauftemperatur senken und Anlage sauber einstellen bringen zusammen ein Vielfaches dessen, was die Postleitzahl kostet.
3 · Warum der Effekt so klein ist
Die Intuition („kälter = viel schlechter") übersieht die Verteilung der Heizarbeit: Rund 80 % der Jahres-Wärmemenge fallen bei milden 0 bis +12 °C an — und diese Temperaturen sind in Rosenheim kaum anders als in Rostock. Die Norm-Außentemperatur beschreibt die kälteste Auslegungsstunde, nicht die Heizsaison. Dazu kommt: Auch die Abtauverluste der Luft-Wärmepumpe konzentrieren sich um den Gefrierpunkt — den es überall gleichermaßen gibt. Bei Sole-Anlagen verschwindet der Effekt fast vollständig, weil die Erdreich- Quelltemperatur vom Wetter entkoppelt ist. Regional größer als der Effizienz- Unterschied ist übrigens die nötige Heizleistung: Im Alpenvorland braucht dasselbe Haus am Auslegungstag mehr kW — das betrifft die Dimensionierung, nicht die Jahresrechnung.
4 · Methodik
Gerechnet mit dem offenen Modell des Fachwerte-Wärmepumpen-Rechners: Carnot-Wirkungsgrad × Gütegrad (Luft-Wasser 0,50, Sole 0,53), saisonal integriert über vier Außentemperatur-Stützstellen, deren Lage sich mit der Norm-Außentemperatur der Region verschiebt; Vorlauftemperatur folgt der Heizkurve des Abgabesystems, Abtauverluste um den Gefrierpunkt, Warmwasser mit 20 % Anteil bei 50 °C. Kalibriert an Fraunhofer ISE „WP-QS im Bestand" (77 Anlagen). Es handelt sich um eine Modellrechnung, nicht um Messwerte je Region — alle Parameter stehen offen in der versionierten Parameterdatei, das Ergebnis lässt sich im JAZ-Rechner per PLZ nachvollziehen.
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Widerspricht das der Erfahrung, dass Wärmepumpen im Süden schlechter laufen?
Nein — es erklärt sie anders: Wo im Süden schlechte JAZ gemessen werden, liegt es fast immer an höheren Vorlauftemperaturen (ältere Gebäude, Radiatoren) oder der Einstellung, nicht am Klima selbst. Genau das ist auch der Kernbefund der ISE-Feldstudie: Die Vorlauftemperatur entscheidet, nicht Baujahr oder Standort.
Gilt das auch für echte Höhenlagen (800 m+)?
Nur eingeschränkt — die PLZ-Zonen mitteln über große Gebiete. Inexponierten Höhenlagen sinken Norm-Außentemperatur und Jahresmitteltemperatur weiter; dort wächst der Effekt über die Tabellenwerte hinaus und die Sole-Variante wird relativ attraktiver. Für die Auslegung zählt die örtliche Norm-Außentemperatur nach DIN EN 12831.
Darf ich die Tabelle übernehmen?
Ja, mit Quellenangabe (fachwerte.de) gern — die Zahlen und alle Annahmen stehen in der offenen Parameterdatei mit Changelog. Bei Fragen zur Methodik: Kontakt.
Stand: 29.08.2026. Modellrechnung (keine Messwerte je Region); Kalibrierung an Fraunhofer ISE „WP-QS im Bestand". Beispielhaus: 15.000 kWh/a Nutzwärme, WP-Tarif 25 ct/kWh. Weiterlesen: JAZ-Tabelle nach Typ und Vorlauf · SCOP oder JAZ? · Wärmepumpe im Altbau