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Wärmepumpe

Heizkurve der Wärmepumpe richtig einstellen

Das Wichtigste in Kürze

Kaum eine Einstellung entscheidet so stark über die Stromrechnung der Wärmepumpe wie die Heizkurve — und kaum eine wird so oft auf „Werkseinstellung plus Sicherheit" belassen. Dabei ist die Optimierung risikolos, umkehrbar und kostenlos: Es geht nur darum, dem Haus nicht mehr Vorlauftemperatur zu geben, als es wirklich braucht.

1 · Was Neigung und Niveau bedeuten

Die Heizkurve verknüpft Außentemperatur und Vorlauftemperatur: Je kälter draußen, desto wärmeres Wasser schickt die Anlage in die Heizflächen. Zwei Parameter formen sie:

  • Neigung (Steilheit): Wie stark der Vorlauf mit sinkender Außentemperatur ansteigt. Hohe Neigung = steile Kurve = viel Vorlauf bei Kälte.
  • Niveau (Parallelverschiebung): Verschiebt die ganze Kurve nach oben oder unten — wirkt bei jedem Wetter gleich.

Gut gedämmte Häuser mit großen Heizflächen brauchen flache Kurven, Altbauten mit kleinen Heizkörpern steilere. Das Ziel ist immer dasselbe: die flachste, niedrigste Kurve, bei der alle Räume ihre Wunschtemperatur erreichen — denn jedes Kelvin darüber kostet die Wärmepumpe rund 2,5 % Effizienz (einen Brennwertkessel nur ~1 %; deshalb lohnt die Optimierung bei der Wärmepumpe doppelt).

2 · Startwerte nach Gebäudetyp

Gebäude / AbgabesystemNeigung (Start)Vorlauf bei −12 °C etwa
Neubau mit Fußbodenheizung0,3 – 0,430 – 35 °C
Bestand saniert, Fußbodenheizung0,4 – 0,533 – 38 °C
Saniert mit NT-Heizkörpern0,8 – 1,040 – 48 °C
Teilsaniert, klassische Heizkörper1,0 – 1,248 – 55 °C
Altbau, kleine Heizkörper1,2 – 1,455 – 62 °C

Niveau: bei 0 starten. Achtung: Die Skalen der Hersteller unterscheiden sich — manche Wärmepumpen-Regler arbeiten mit Endpunkten (Vorlauf bei Norm-Außentemperatur) statt Neigungswerten; das Prinzip bleibt gleich.

3 · Die Einstell-Matrix

Erst beobachten (Referenzräume, Thermostate offen), dann gezielt einen Parameter ändern:

BeobachtungBei kalten Tagen (< 0 °C)Bei milden Tagen (8–15 °C)
Zu kaltNeigung erhöhen (+0,1)Niveau erhöhen (+1–2 K)
Zu warmNeigung senken (−0,1)Niveau senken (−1–2 K)
Immer zu warmNiveau senken — dann prüfen, ob die Neigung auch flacher kann
Immer zu kaltErst Volumenströme/Abgleich prüfen, dann Niveau erhöhen

4 · Vorgehen in der Praxis

  1. Referenzräume festlegen (Wohnzimmer + der „schwierigste" Raum), dort Thermostate voll öffnen und Raumthermometer aufstellen.
  2. Eine Änderung pro Schritt — dann 2–3 Tage abwarten, das Gebäude reagiert träge (Fußbodenheizung noch träger).
  3. Über die Saison absenken: Im Oktober mild beginnen, an den ersten Frosttagen die Kaltseite justieren. Nach einem Winter sitzt die Kurve.
  4. Warmwasser getrennt betrachten — dessen Solltemperatur (48–50 °C) hat mit der Heizkurve nichts zu tun, kostet aber ebenfalls JAZ, wenn sie zu hoch steht.
  5. Dokumentieren: Datum, Neigung, Niveau, Außentemperatur, Ergebnis — sonst dreht man in Kreisen.

Wie sich Neigung und Niveau konkret auf die Vorlauftemperatur bei jeder Außentemperatur auswirken — und was die Absenkung in Euro bringt — zeigt der Heizkurven-Rechner interaktiv:

Passendes Werkzeug Heizkurven-Rechner Heizkurve aus Neigung und Niveau visualisieren, aktuelle und optimierte Einstellung vergleichen und das Sparpotenzial je Kelvin abschätzen — mit Einstellhilfe-Matrix.

5 · Typische Fehler

  • Mit Thermostaten gegen eine zu hohe Kurve regeln Das Wasser wird unnötig heiß erzeugt und im Raum weggedrosselt — die JAZ sinkt, ohne dass es jemand merkt.
  • Zu große Schritte, zu wenig Geduld Neigung +0,3 an einem Tag beurteilt niemand seriös — das Gebäude braucht Tage zum Einschwingen.
  • Niveau statt Neigung korrigieren (und umgekehrt) Wer bei Kälteproblemen das Niveau hochzieht, überheizt alle milden Tage — die Merkregel aus der Matrix beachten.
  • Nachtabsenkung übertreiben Tiefes Auskühlen zwingt die WP morgens in Volllast oder den Heizstab; 1–2 K genügen, bei Fußbodenheizung oft ganz weglassen.
  • Ohne hydraulischen Abgleich optimieren Bekommt der schwächste Raum zu wenig Volumenstrom, erzwingt er eine zu hohe Kurve fürs ganze Haus.

6 · Häufige Fragen

Wie viel bringt das in Euro?

~2,5 % je Kelvin: Wer die mittlere Vorlauftemperatur um 8 K senkt, spart rund 20 % — bei 5.200 kWh Jahresverbrauch und 25 ct/kWh etwa 260 € pro Jahr, dauerhaft. Zusammen mit dem Tausch einzelner Heizkörper ist das der wirksamste Effizienz-Doppelpack im Bestand.

Gilt das auch für Gas- und Ölheizungen?

Ja, mit kleinerem Effekt (~1 %/K bei Brennwert, da vor allem die Brennwertnutzung verbessert wird). Die Matrix und das Vorgehen sind identisch — und eine im Gasbetrieb optimierte Kurve ist die perfekte Vorarbeit für den späteren Wärmepumpen-Umstieg.

Mein Regler kennt keine „Neigung" — nur Punkte oder Endtemperaturen?

Viele WP-Regler definieren die Kurve über Stützpunkte (z. B. Vorlauf bei +15 °C und bei Norm-Außentemperatur). Das Prinzip überträgt sich direkt: Der Punkt an der Kaltseite entspricht der Neigung, beide Punkte gemeinsam verschieben entspricht dem Niveau.

Stand: 29.08.2026. Faustwerte aus der Praxis; Regler-Skalen variieren je Hersteller. Bei Unsicherheit die Einstellungen vor Änderungen notieren — jede Änderung ist umkehrbar. Weiterlesen: Reichen meine Heizkörper? · JAZ-Tabelle · Stromverbrauchs-Tabellen