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Wärmepumpe

Photovoltaik + Wärmepumpe: was das Dach wirklich liefert

Das Wichtigste in Kürze

Kaum eine Kombination wird so euphorisch verkauft wie „PV + Wärmepumpe = kostenlos heizen". Die Physik dahinter ist leider saisonal unkooperativ: Geheizt wird, wenn die Sonne fehlt. Wer die Kombination mit realistischen Erwartungen plant, bekommt trotzdem ein sehr gutes Gespann — nur eben aus anderen Gründen als im Prospekt.

1 · Das Winterproblem in Zahlen

Nov – FebMär – Apr / Sep – OktMai – Aug
Anteil WP-Strombedarf~65 %~28 %~7 % (nur Warmwasser)
Anteil PV-Jahresertrag~10–15 %~35 %~50 %
Verhältnismassives Defizitder Sweet Spotmassiver Überschuss

Eine 10-kWp-Anlage liefert im Januar oft nur 150–250 kWh — die Wärmepumpe im teilsanierten 140-m²-Haus braucht im selben Monat ~800 kWh, überwiegend morgens und abends, wenn auch die 200 kWh nicht scheinen. Kein Speicher üblicher Größe (5–15 kWh) überbrückt Wochen, er überbrückt Stunden.

2 · Realistische Deckungsgrade

Konstellation (EFH, 10 kWp, WP ~5.000 kWh/a)PV-Deckung WP-Strom
PV ohne Speicher, keine Steuerung~10 – 15 %
PV + Batteriespeicher (10 kWh)~15 – 20 %
PV + Speicher + Überschuss-Steuerung (SG-Ready/HEMS)~20 – 25 %
Nur Warmwasser-Betrieb Mai–Septemberbis ~90 %

Der Rechenwert für die Wirtschaftlichkeit ist also eher konservativ zu wählen — genau deshalb rechnet der Wärmepumpen-Rechner den PV-Anteil als einstellbaren Regler (Empfehlung: 10–25 %) und der Autarkie-Rechner die Deckung aus Anlagengröße, Speicher und Lastprofil im Detail.

3 · Warum es sich trotzdem rechnet

Wert jeder selbst verbrauchten kWh Ersparnis = Netzpreis − Gestehungskosten ≈ 0,25 € − 0,10 € = 0,15 €/kWh Bei 20 % Deckung von 5.000 kWh: 1.000 kWh × 0,15 € = 150 €/a — solide, aber kein „kostenlos heizen". Mit Haushaltsstrom (0,37 €) verdoppelt sich der Wert des Eigenverbrauchs fast.

Der oft übersehene zweite Effekt läuft andersherum: Die Wärmepumpe verbessert die PV-Rendite. Sie schafft in Übergangszeit und Sommer (Warmwasser!) planbare Last, die sonst für ~8 ct eingespeist würde — der Eigenverbrauchsanteil der PV steigt typisch um 10–20 Prozentpunkte. Die Kombination lohnt sich also — man muss nur die Richtung der Begründung kennen.

4 · Speicher, SG-Ready, Messkonzept

  • SG-Ready / Überschussladung: Fast alle aktuellen Wärmepumpen haben den Kontakt. Sinnvollste Nutzung: mittags den Warmwasserspeicher auf Ziel + 5–10 K laden und den Estrich in der Übergangszeit „vorwärmen" — thermische Speicher sind die billigsten Speicher im Haus.
  • Batteriespeicher: hilft der WP vor allem in Übergangszeit und für den Abend — für den Januar ist er zu klein. Dimensionierung auf den Haushalt, nicht auf die Heizlast.
  • Messkonzept bei separatem WP-Zähler: Kaskadenschaltung, damit PV-Überschuss erst Haushalt + WP versorgt und nur der Rest ins Netz geht — sonst verschenkt man entweder den WP-Tarif oder den Eigenverbrauch (Details zu Tarifen & §14a).
  • Dynamische Tarife + PV: erst mit HEMS interessant — die Steuerlogik (PV-Überschuss vs. Billigfenster vs. Komfort) braucht Automatik.
Passendes Werkzeug Eigenverbrauchs- & Autarkie-Rechner Wie viel deckt deine PV wirklich? Eigenverbrauch und Autarkie mit und ohne Speicher — inklusive Wärmepumpe und E-Auto, mit Diagramm zur optimalen Speichergröße.

5 · Typische Fehler

  • Mit 50 % PV-Deckung kalkuliert Die Zahl stammt aus Jahresbilanzen ohne Zeitbezug. Wer so rechnet, verplant mehrere hundert Euro pro Jahr.
  • Batteriespeicher für den Winter dimensioniert Gegen das Januar-Defizit von mehreren hundert kWh ist jeder Hausspeicher machtlos — er lebt von Tag-Nacht-Zyklen.
  • PV-Überschuss in Warmwasser „verheizen" mit Heizstab Der Heizstab macht aus 1 kWh Strom 1 kWh Wärme — die Wärmepumpe macht 3. Überschussladung immer über die WP, den Heizstab nur als letzte Stufe.
  • Falsches Messkonzept WP-Zähler parallel statt in Kaskade — dann sieht die Wärmepumpe nie PV-Strom.

6 · Häufige Fragen

Sollte ich die PV-Anlage wegen der Wärmepumpe größer bauen?

Das Dach voll zu machen lohnt fast immer — aber wegen des Sommer- und Übergangszeit-Ertrags, nicht wegen des Januars. Mehr kWp verschieben das Winterproblem nicht, sie verbessern die Gesamtbilanz.

PV-Strom oder WP-Tarif — was hat Vorrang?

Beides zusammen: Eigenverbrauch ist mit ~10 ct immer die günstigste kWh; für den (großen) Rest zählt der Tarif — 20,7 ct WP-Tarif statt 37 ct Haushaltsstrom. Die Kaskadenschaltung macht beides gleichzeitig möglich.

Wie fließt das in die Wirtschaftlichkeitsrechnung ein?

Als effektiver Strompreis: PV-Anteil × 10 ct + Netzanteil × Tarifpreis. Der Wärmepumpen-Rechner hat dafür den PV-Regler — konservativ eingestellt bleibt die Rechnung belastbar.

Stand: 29.08.2026. Deckungsgrade sind Erfahrungs- und Modellwerte für typische EFH-Konstellationen in Deutschland; einzelne Anlagen weichen mit Dachausrichtung, Standort und Nutzerverhalten ab. Weiterlesen: Wärmepumpenstrom & §14a · Kosten pro Monat · Stromverbrauchs-Tabellen