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Wärmepumpe

Wärmepumpe vs. Gasheizung: der 15-Jahres-Vergleich

Das Wichtigste in Kürze

Kostenvergleiche zwischen Wärmepumpe und Gasheizung gibt es im Netz zuhauf — und sie kommen zu erstaunlich unterschiedlichen Ergebnissen. Das liegt selten am Rechnen und fast immer an den Annahmen: Wer mit Haushaltsstrom und Pauschal-JAZ 2,5 rechnet, lässt die Wärmepumpe verlieren; wer Prospekt-SCOP und Bestpreis-Tarif ansetzt, lässt sie haushoch gewinnen. Dieser Vergleich macht es anders: alle Annahmen stehen in einer Tabelle, jede lässt sich im Rechner durch die eigene ersetzen.

1 · Die Annahmen — komplett offengelegt

AnnahmeWertQuelle / Begründung
Beispielhaus140 m², teilsaniert, 4 Personen17.600 kWh/a Nutzwärme (14.000 Heizung + 3.600 Warmwasser)
Jahresarbeitszahl3,4Feld-Mittelwert Luft-Wasser, Fraunhofer ISE (77 Anlagen)
WP-Strompreis25 ct/kWhWP-Tarif, konservatives Ende (Neukunden-Ø: 20,7 ct)
Gaspreis12 ct/kWhBestandskunden-Niveau 2026 (BDEW: 11,6 ct)
Kesselnutzungsgrad92 %Gas-Brennwert, Jahresnutzungsgrad
FixkostenWP 150 € / Gas 350 €Wartung vs. Grundpreis + Wartung + Schornsteinfeger
PreissteigerungGas +4 %/a, Strom +2 %/aCO₂-Pfad wirkt auf Gas; Strom mit sinkenden Netzentgelt-Anteilen
AnschaffungWP 32.000 € / Gas 12.000 €Marktrichtwerte 2026 inkl. Einbau
Förderung46 % → 12.880 €Grund 30 % + Klimabonus 16 % (BEG-Stand 21.07.2026), ohne Einkommensbonus

2 · Jahreskosten im Vergleich

Vollkosten Jahr 1 · 17.600 kWh Nutzwärme Gasheizung: 17.600 / 0,92 × 0,12 € + 350 € Fix = 2.296 + 350 = 2.646 €/a Wärmepumpe: 17.600 / 3,4 × 0,25 € + 150 € Fix = 1.294 + 150 = 1.444 €/a Ersparnis: ≈ 1.200 €/a. Mit §14a-WP-Tarif (20,7 ct) wären es sogar ≈ 1.420 €/a.

3 · Anschaffung und Förderung

Die Wärmepumpe kostet mehr — aber nicht so viel mehr, wie die Listenpreise suggerieren. Seit der BEG-Reform vom 21.07.2026 gilt: 30 % Grundförderung plus 16 % Klimageschwindigkeitsbonus beim Tausch der funktionierenden Gasheizung (alle Details und Boni hier):

WärmepumpeNeue Gasheizung
Anschaffung inkl. Einbau32.000 €12.000 €
Zuschuss (46 % von max. 28.000 €)−12.880 €0 € (fossil: nicht gefördert)
Eigenanteil19.120 €12.000 €
Mehrkosten Wärmepumpe≈ 7.100 € → bei 1.200 €/a Ersparnis nach ≈ 6 Jahren eingespielt

4 · 15 Jahre kumuliert

Betriebskosten mit Preissteigerung (Gas +4 %/a, Strom +2 %/a) plus Eigenanteil der Anschaffung:

Kumuliert nach …WärmepumpeGasheizungVorteil WP
5 Jahren≈ 26.600 €≈ 26.300 €≈ ±0 (Break-even)
10 Jahren≈ 34.900 €≈ 43.800 €≈ 8.900 €
15 Jahren≈ 44.100 €≈ 65.000 €≈ 20.900 €

Zur Einordnung: Die co2online-Langfristprognose (2026–2045, Durchschnitts-EFH) kommt auf 24.500 € Heizkosten mit Wärmepumpe gegen 55.600 € mit Gas — dieselbe Richtung, längerer Zeitraum.

5 · Der CO₂-Joker ab 2028

In den +4 % Gaspreissteigerung steckt bereits ein moderater CO₂-Anstieg. Das Aufwärtsrisiko liegt aber höher: 2026 notiert der nationale CO₂-Preis am Deckel des Korridors (65 €/t ≈ 1,5 ct/kWh auf Gas), ab 2028 übernimmt der EU-Emissionshandel ETS2 mit freiem Marktpreis. Die Prognosen für 2030 reichen von 120 €/t (Ariadne) bis 275 €/t (IMK). Bei 200 €/t kämen im Beispielhaus gut 500 € Gasmehrkosten pro Jahr hinzu — während der CO₂-Preis auf die Wärmepumpe praktisch nicht wirkt, weil der Strommix jedes Jahr sauberer wird. Der Wärmepumpen-Rechner bildet genau dafür wählbare CO₂-Szenarien im 15-Jahres-Diagramm ab.

Passendes Werkzeug Wärmepumpen-Rechner Denselben 15-Jahres-Vergleich mit deinen eigenen Zahlen rechnen — Verbrauch, Tarife, JAZ, Förderung und CO₂-Preispfad frei einstellbar.

6 · Wann der Vergleich kippt

Ehrlichkeit gehört dazu: Es gibt Konstellationen, in denen die Gasheizung vorn bleibt oder das Rennen eng wird.

  • JAZ unter ~2,5 — etwa bei 65 °C Vorlauf mit alten Hochtemperatur-Heizkörpern ohne jede Anpassung. Erst Heizflächen prüfen, dann entscheiden.
  • Haushaltsstrom + Billiggas: 37 ct Strom gegen 8-ct-Altvertrag verschiebt die Break-even-JAZ auf ~4,3 (Rechenweg). Mit WP-Tarif entspannt sich das sofort.
  • Sehr kurze Resthaltedauer: Wer in 3–4 Jahren verkauft, spielt die Investition womöglich nicht mehr ein — wobei eine Wärmepumpe zunehmend werterhaltend wirkt.
  • Extrem günstige Gas-Erneuerung (Therme im Bestand für <8.000 €) verlängert die Amortisation um 1–2 Jahre — ändert das 15-Jahres-Bild aber nicht grundsätzlich.

7 · Häufige Fragen

Ist die neue Gasheizung nicht die sichere Wahl?

Sie ist die bekannte Wahl — sicher ist an ihr vor allem der steigende CO₂-Preis und das Risiko steigender Netzentgelte, wenn Gasnetze mit sinkender Anschlusszahl betrieben oder stillgelegt werden. Die Wärmepumpe hat ihr Risiko in der Ausführungsqualität; das lässt sich durch Planung kontrollieren, der CO₂-Preis nicht.

Was ist mit einer Hybrid-Lösung (WP + bestehende Gastherme)?

Kann im unsanierten Bestand mit intakter Therme eine Brücke sein: Die Wärmepumpe übernimmt 70–90 % der Jahresarbeit, die Therme die Spitzenlast. Nachteile: doppelte Fixkosten (Schornsteinfeger, Wartung, Grundpreis bleiben) und geringere Förderung. Als Dauerlösung rechnet sie sich selten.

Wie empfindlich ist das Ergebnis gegenüber der JAZ?

Spürbar, aber nicht kippend: Mit JAZ 3,0 statt 3,4 steigen die WP-Jahreskosten um ~170 €, mit 4,0 sinken sie um ~190 €. Selbst am unteren Feldrand (2,6) bleibt die Wärmepumpe im Beispiel günstiger als Gas. Welche JAZ realistisch ist: JAZ-Tabelle.

Stand: 29.08.2026. Preise: BDEW/Verivox/Check24 Q3 2026; JAZ: Fraunhofer ISE „WP-QS im Bestand"; Förderung: KfW 458, Fassung 21.07.2026. Modellrechnung mit gerundeten Werten — die eigene Rechnung ersetzt sie nicht. Weiterlesen: Förderung 2026 · Break-even-JAZ · Wärmepumpe im Altbau