Kostenvergleiche zwischen Wärmepumpe und Gasheizung gibt es im Netz zuhauf — und sie kommen zu erstaunlich unterschiedlichen Ergebnissen. Das liegt selten am Rechnen und fast immer an den Annahmen: Wer mit Haushaltsstrom und Pauschal-JAZ 2,5 rechnet, lässt die Wärmepumpe verlieren; wer Prospekt-SCOP und Bestpreis-Tarif ansetzt, lässt sie haushoch gewinnen. Dieser Vergleich macht es anders: alle Annahmen stehen in einer Tabelle, jede lässt sich im Rechner durch die eigene ersetzen.
1 · Die Annahmen — komplett offengelegt
| Annahme | Wert | Quelle / Begründung |
|---|---|---|
| Beispielhaus | 140 m², teilsaniert, 4 Personen | 17.600 kWh/a Nutzwärme (14.000 Heizung + 3.600 Warmwasser) |
| Jahresarbeitszahl | 3,4 | Feld-Mittelwert Luft-Wasser, Fraunhofer ISE (77 Anlagen) |
| WP-Strompreis | 25 ct/kWh | WP-Tarif, konservatives Ende (Neukunden-Ø: 20,7 ct) |
| Gaspreis | 12 ct/kWh | Bestandskunden-Niveau 2026 (BDEW: 11,6 ct) |
| Kesselnutzungsgrad | 92 % | Gas-Brennwert, Jahresnutzungsgrad |
| Fixkosten | WP 150 € / Gas 350 € | Wartung vs. Grundpreis + Wartung + Schornsteinfeger |
| Preissteigerung | Gas +4 %/a, Strom +2 %/a | CO₂-Pfad wirkt auf Gas; Strom mit sinkenden Netzentgelt-Anteilen |
| Anschaffung | WP 32.000 € / Gas 12.000 € | Marktrichtwerte 2026 inkl. Einbau |
| Förderung | 46 % → 12.880 € | Grund 30 % + Klimabonus 16 % (BEG-Stand 21.07.2026), ohne Einkommensbonus |
2 · Jahreskosten im Vergleich
Gasheizung: 17.600 / 0,92 × 0,12 € + 350 € Fix = 2.296 + 350 = 2.646 €/a
Wärmepumpe: 17.600 / 3,4 × 0,25 € + 150 € Fix = 1.294 + 150 = 1.444 €/a
Ersparnis: ≈ 1.200 €/a. Mit §14a-WP-Tarif (20,7 ct) wären es sogar ≈ 1.420 €/a.
3 · Anschaffung und Förderung
Die Wärmepumpe kostet mehr — aber nicht so viel mehr, wie die Listenpreise suggerieren. Seit der BEG-Reform vom 21.07.2026 gilt: 30 % Grundförderung plus 16 % Klimageschwindigkeitsbonus beim Tausch der funktionierenden Gasheizung (alle Details und Boni hier):
| Wärmepumpe | Neue Gasheizung | |
|---|---|---|
| Anschaffung inkl. Einbau | 32.000 € | 12.000 € |
| Zuschuss (46 % von max. 28.000 €) | −12.880 € | 0 € (fossil: nicht gefördert) |
| Eigenanteil | 19.120 € | 12.000 € |
| Mehrkosten Wärmepumpe | ≈ 7.100 € → bei 1.200 €/a Ersparnis nach ≈ 6 Jahren eingespielt | |
4 · 15 Jahre kumuliert
Betriebskosten mit Preissteigerung (Gas +4 %/a, Strom +2 %/a) plus Eigenanteil der Anschaffung:
| Kumuliert nach … | Wärmepumpe | Gasheizung | Vorteil WP |
|---|---|---|---|
| 5 Jahren | ≈ 26.600 € | ≈ 26.300 € | ≈ ±0 (Break-even) |
| 10 Jahren | ≈ 34.900 € | ≈ 43.800 € | ≈ 8.900 € |
| 15 Jahren | ≈ 44.100 € | ≈ 65.000 € | ≈ 20.900 € |
Zur Einordnung: Die co2online-Langfristprognose (2026–2045, Durchschnitts-EFH) kommt auf 24.500 € Heizkosten mit Wärmepumpe gegen 55.600 € mit Gas — dieselbe Richtung, längerer Zeitraum.
5 · Der CO₂-Joker ab 2028
In den +4 % Gaspreissteigerung steckt bereits ein moderater CO₂-Anstieg. Das Aufwärtsrisiko liegt aber höher: 2026 notiert der nationale CO₂-Preis am Deckel des Korridors (65 €/t ≈ 1,5 ct/kWh auf Gas), ab 2028 übernimmt der EU-Emissionshandel ETS2 mit freiem Marktpreis. Die Prognosen für 2030 reichen von 120 €/t (Ariadne) bis 275 €/t (IMK). Bei 200 €/t kämen im Beispielhaus gut 500 € Gasmehrkosten pro Jahr hinzu — während der CO₂-Preis auf die Wärmepumpe praktisch nicht wirkt, weil der Strommix jedes Jahr sauberer wird. Der Wärmepumpen-Rechner bildet genau dafür wählbare CO₂-Szenarien im 15-Jahres-Diagramm ab.
Passendes Werkzeug Wärmepumpen-Rechner Denselben 15-Jahres-Vergleich mit deinen eigenen Zahlen rechnen — Verbrauch, Tarife, JAZ, Förderung und CO₂-Preispfad frei einstellbar.6 · Wann der Vergleich kippt
Ehrlichkeit gehört dazu: Es gibt Konstellationen, in denen die Gasheizung vorn bleibt oder das Rennen eng wird.
- JAZ unter ~2,5 — etwa bei 65 °C Vorlauf mit alten Hochtemperatur-Heizkörpern ohne jede Anpassung. Erst Heizflächen prüfen, dann entscheiden.
- Haushaltsstrom + Billiggas: 37 ct Strom gegen 8-ct-Altvertrag verschiebt die Break-even-JAZ auf ~4,3 (Rechenweg). Mit WP-Tarif entspannt sich das sofort.
- Sehr kurze Resthaltedauer: Wer in 3–4 Jahren verkauft, spielt die Investition womöglich nicht mehr ein — wobei eine Wärmepumpe zunehmend werterhaltend wirkt.
- Extrem günstige Gas-Erneuerung (Therme im Bestand für <8.000 €) verlängert die Amortisation um 1–2 Jahre — ändert das 15-Jahres-Bild aber nicht grundsätzlich.
7 · Häufige Fragen
Ist die neue Gasheizung nicht die sichere Wahl?
Sie ist die bekannte Wahl — sicher ist an ihr vor allem der steigende CO₂-Preis und das Risiko steigender Netzentgelte, wenn Gasnetze mit sinkender Anschlusszahl betrieben oder stillgelegt werden. Die Wärmepumpe hat ihr Risiko in der Ausführungsqualität; das lässt sich durch Planung kontrollieren, der CO₂-Preis nicht.
Was ist mit einer Hybrid-Lösung (WP + bestehende Gastherme)?
Kann im unsanierten Bestand mit intakter Therme eine Brücke sein: Die Wärmepumpe übernimmt 70–90 % der Jahresarbeit, die Therme die Spitzenlast. Nachteile: doppelte Fixkosten (Schornsteinfeger, Wartung, Grundpreis bleiben) und geringere Förderung. Als Dauerlösung rechnet sie sich selten.
Wie empfindlich ist das Ergebnis gegenüber der JAZ?
Spürbar, aber nicht kippend: Mit JAZ 3,0 statt 3,4 steigen die WP-Jahreskosten um ~170 €, mit 4,0 sinken sie um ~190 €. Selbst am unteren Feldrand (2,6) bleibt die Wärmepumpe im Beispiel günstiger als Gas. Welche JAZ realistisch ist: JAZ-Tabelle.
Stand: 29.08.2026. Preise: BDEW/Verivox/Check24 Q3 2026; JAZ: Fraunhofer ISE „WP-QS im Bestand"; Förderung: KfW 458, Fassung 21.07.2026. Modellrechnung mit gerundeten Werten — die eigene Rechnung ersetzt sie nicht. Weiterlesen: Förderung 2026 · Break-even-JAZ · Wärmepumpe im Altbau