Die Frage „Balkonkraftwerk oder richtige Anlage?“ wird meist falsch gestellt – als hätten beide dieselbe Aufgabe. Haben sie nicht: Das Steckersolargerät deckt die Grundlast eines Haushalts, die Dachanlage soll den Haushalt weitgehend versorgen. Die Zahlen unten stammen aus dem Balkonkraftwerk-Rechner und den Voreinstellungen des PV-Ertragsrechners; sie zeigen, warum beide Antworten richtig sein können – je nachdem, welche Frage man stellt.
1 · Die Gegenüberstellung
Referenzhaushalt mit 3.000 kWh (Balkonkraftwerk) bzw. 4.000 kWh (Dachanlage), 35 ct/kWh, Einspeisevergütung 7,70 ct/kWh (Stand 01.08.2026), Preise 08/2026:
| Kriterium | Balkonkraftwerk 800 Wp | Balkonkraftwerk 2.000 Wp | Dachanlage 8 kWp | Dachanlage 8 kWp + 8 kWh Speicher |
|---|---|---|---|---|
| Investition | ≈ 400 € | ≈ 700 € | ≈ 10.400 € (1.300 €/kWp) | ≈ 16.000 € |
| Jahresertrag | 800 kWh | 1.680 kWh nutzbar (16 % gekappt) | ≈ 7.600 kWh (950 kWh/kWp) | ≈ 7.600 kWh |
| Eigenverbrauch | 519 kWh (65 %) | 753 kWh (46 %) | ≈ 2.300 kWh (30 %) | ≈ 4.600 kWh (60 %) |
| Ersparnis + Vergütung / Jahr | ≈ 182 € | ≈ 264 € | ≈ 800 € + 410 € = 1.200 € | ≈ 1.600 € + 230 € = 1.830 € |
| Amortisation | 2,2 Jahre | 2,7 Jahre | ≈ 9 Jahre | ≈ 9–10 Jahre |
| Stromgestehungskosten | 4,8 ct/kWh | 4,0 ct/kWh | ≈ 8–10 ct/kWh | ≈ 12–14 ct/kWh |
| Autarkiegrad | 17 % | 26 % | ≈ 35 % | ≈ 65 % |
| Rendite im 1. Jahr | ≈ 45 % | ≈ 38 % | ≈ 11 % | ≈ 11 % |
| Netto nach 20 Jahren (überschlägig) | ≈ 3.900 € | ≈ 5.500 € | ≈ 14.000 € | ≈ 18.000 € (ein Speichertausch eingerechnet) |
| Fläche | 2 Module, ≈ 4 m² | 4 Module, ≈ 8 m² | ≈ 40 m² Dach | ≈ 40 m² Dach + Technikraum |
Balkonkraftwerk-Werte aus der Stundensimulation des Fachwerte-Rechners (Ersparnis im ersten Jahr; 2.000 Wp: 753 kWh × 35 ct). Dachanlage überschlägig: 950 kWh/kWp, Eigenverbrauchsquote 30 % ohne / 60 % mit Speicher (typische Werte für 4.000-kWh-Haushalte), 1.300 €/kWp und 700 €/kWh Speicher; ohne Wartung, Versicherung, Wechselrichtertausch und Preissteigerung – genauer rechnet der Eigenverbrauchs- und Autarkie-Rechner. Die 20-Jahres-Werte sind Größenordnungen, keine Prognosen.
2 · Rendite gegen Ergebnis: zwei verschiedene Fragen
Das Balkonkraftwerk hat die bessere Rendite, weil es genau die Kilowattstunden erzeugt, die der Haushalt ohnehin gerade braucht: Grundlast am Tag, kein Überschuss zu verschenken, kein Zähler, kein Fachbetrieb. 65 % Eigenverbrauch bei 800 Wp sind der Grund, warum die Anlage nach zwei Jahren bezahlt ist – und warum die Stromgestehungskosten mit 4,8 ct/kWh unter denen jeder Dachanlage liegen. Was es nicht kann: mehr als ein Sechstel des Verbrauchs decken. Mehr Module helfen nur begrenzt, weil der Wechselrichter bei 800 W kappt und der Haushalt tagsüber nicht mehr abnimmt – bei 2.000 Wp bleiben 46 % Eigenverbrauch.
Die Dachanlage hat das bessere Ergebnis: zehnmal so viel Ertrag, drei- bis viermal so viel Ersparnis, und mit Speicher zwei Drittel Autarkie. Dafür zahlt sie in drei Währungen: mit einer Amortisation von rund neun Jahren, mit 8 bis 10 ct/kWh Gestehungskosten (der Einspeise-Anteil ist mit 7,70 ct praktisch ein Verlustgeschäft) und mit Fixkosten, die das Balkonkraftwerk nicht kennt – Wechselrichtertausch nach 10 bis 15 Jahren (1.000 bis 2.000 €), Versicherung, ggf. Zählerkosten. Wer die 10.000 € hat und das Dach, bekommt trotzdem mehr zurück: grob 14.000 € netto über 20 Jahre gegenüber 3.900 € beim Balkonkraftwerk.
3 · Verfahren, Aufwand, Recht
| Punkt | Steckersolargerät (≤ 800 VA, ≤ 2.000 Wp) | Dachanlage (ab ≈ 3 kWp) |
|---|---|---|
| Anmeldung | nur Marktstammdatenregister, 1 Monat, kostenlos (Anleitung) | Marktstammdatenregister + Netzanschlussbegehren beim Netzbetreiber vor dem Bau |
| Wer installiert | selbst; Elektrofachkraft nur für Energiesteckvorrichtung über 960 Wp | Fachbetrieb (Eintragung beim Netzbetreiber, Inbetriebsetzungsprotokoll) |
| Zähler | Zweirichtungszähler wird kostenlos nachgerüstet; Rücklauf bis dahin geduldet | Zweirichtungszähler oder Smart Meter Pflicht vor Inbetriebnahme; ab 7 kW Einspeisung Steuerbarkeit (§ 14a EnWG) |
| Steuern | 0 % Umsatzsteuer; keine Einkommensteuer (§ 3 Nr. 72 EStG) | 0 % Umsatzsteuer bis 30 kWp; Einkommensteuerbefreiung bis 30 kWp am Einfamilienhaus (§ 3 Nr. 72 EStG) |
| Genehmigung | Mieter/WEG: Anspruch nach § 554 BGB / § 20 WEG (Details) | Eigentümer: baurechtlich verfahrensfrei; WEG: Beschluss nötig; Mieter: nur mit Vermieter (Mieterstrom) |
| Förderung | Länder/Kommunen vereinzelt 150–500 € | KfW-Kredit 270; Länder/Kommunen vereinzelt; Speicherförderung selten |
| Planungszeit | Bestellung bis Betrieb: Tage | Angebot bis Betrieb: typisch 2–6 Monate |
4 · Wer sollte was nehmen
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Mietwohnung, Balkon nach Süd bis West | Balkonkraftwerk 800–2.000 Wp | einzige Option; Anspruch gegenüber Vermieter; 2–3 Jahre Amortisation |
| Eigentumswohnung | Balkonkraftwerk; Dach nur als WEG-Gemeinschaftsanlage | Dachfläche gehört der Gemeinschaft; Beschluss und Messkonzept aufwendig |
| Eigenheim, Verbrauch unter 3.000 kWh, kein E-Auto, keine Wärmepumpe | 2.000-Wp-Balkonkraftwerk im Garten oder an der Fassade | Dachanlage würde zu 70 % einspeisen; 700 € für 1.680 kWh schlägt 10.000 € für 7.600 kWh in der Rendite |
| Eigenheim, 4.000–6.000 kWh, Dach nach Süd/Ost/West | Dachanlage 6–10 kWp, Speicher optional | Autarkie 35–65 %, Ergebnis über 20 Jahre viermal so hoch |
| Eigenheim mit Wärmepumpe und/oder E-Auto | Dachanlage 10–15 kWp, Speicher, Wallbox-Steuerung | Verbrauch 8.000–12.000 kWh; Steckersolar deckt unter 10 % – siehe Photovoltaik + Wärmepumpe |
| Dach ungeeignet (Nord, Denkmalschutz, Sanierung steht an) | Balkonkraftwerk jetzt, Dach nach der Sanierung | kein Kapital gebunden, kein Rückbau nötig |
5 · Erst Balkon, später Dach – geht beides?
Technisch ja, und viele fangen so an. Zwei Dinge sind zu beachten. Erstens: Wer die Dachanlage ohnehin plant, sollte sie nicht durch das Balkonkraftwerk aufschieben – jedes Jahr Verzögerung kostet bei 8 kWp rund 1.200 € Ersparnis, das Balkonkraftwerk holt davon nur 182 € zurück. Zweitens: Wenn beide Anlagen am selben Zähler hängen, ist vorab mit dem Netzbetreiber zu klären, wie die Einspeisevergütung der Dachanlage abgerechnet wird – das Steckersolargerät speist ungemessen in dieselbe Zählung. Die saubere Lösung ist meist, die zwei Balkonmodule beim Bau der Dachanlage als zusätzlichen String an deren Wechselrichter zu hängen und das Steckersolargerät im Register stillzulegen. Wer das Balkonkraftwerk behalten will, registriert beide Einheiten getrennt und lässt sich die Abrechnung vom Netzbetreiber schriftlich bestätigen.
6 · Häufige Fragen
Was ist wirtschaftlicher: Balkonkraftwerk oder Dachanlage?
Pro investiertem Euro das Balkonkraftwerk: 400 € → 182 € im Jahr → 2,2 Jahre, 4,8 ct/kWh. Eine 8-kWp-Dachanlage für ≈ 10.400 € bringt überschlägig 1.200 € im Jahr und braucht etwa 9 Jahre, bei 8–10 ct/kWh. In absoluten Euro gewinnt das Dach: zehnmal mehr ersetzter Netzstrom, 35–65 % Autarkie statt 17 %.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk auch im Eigenheim?
Ja, als Einstieg oder Ergänzung. Wer die Dachanlage nicht bauen kann, holt mit 2.000 Wp im Garten oder an der Fassade rund 1.680 nutzbare kWh für 700 € heraus. Wer das Dach plant, sollte es nicht aufschieben: Jedes Jahr kostet bei 8 kWp rund 1.200 € Ersparnis.
Darf ich Balkonkraftwerk und Dachanlage kombinieren?
Technisch ja; beide werden im Marktstammdatenregister registriert. Die Abrechnung der Einspeisevergütung am gemeinsamen Zähler ist vorab mit dem Netzbetreiber zu klären. Meist ist es sauberer, die Balkonmodule als zusätzlichen String an den Dachwechselrichter zu hängen.
Ab welchem Stromverbrauch reicht das Balkonkraftwerk nicht mehr?
Sobald Wärmepumpe oder E-Auto dazukommen. Ein 3.000-kWh-Haushalt deckt mit 800 Wp 17 %, mit 2.000 Wp 26 %. Eine Wärmepumpe braucht 3.000–6.000 kWh zusätzlich, ein E-Auto 2.000–3.000 kWh – dann liefert selbst das größte Steckersolargerät unter 10 %. Die passende Größe fürs Dach: PV-Ertragsrechner.
Stand: 29.08.2026. Balkonkraftwerk-Werte aus dem Fachwerte-Balkonkraftwerk-Rechner (Stundensimulation, 3.000-kWh-Haushalt, 35 ct/kWh); Dachanlage überschlägig mit den Voreinstellungen des PV-Ertragsrechners (950 kWh/kWp, 1.100–1.600 €/kWp, EEG 7,70 ct/kWh ab 01.08.2026 laut Bundesnetzagentur) und typischen Eigenverbrauchsquoten; ohne Wartung, Versicherung und Preissteigerung. Steuerangaben nach § 12 Abs. 3 UStG und § 3 Nr. 72 EStG. Keine Fachplanung, keine Steuerberatung. Weiterlesen: Die ehrliche Amortisationsrechnung · 2.000 Wp an 800 W · Photovoltaik + Wärmepumpe