Wer die Steckdosen je Raum gezählt hat, steht vor der nächsten Frage: Wie werden sie zu Stromkreisen zusammengefasst, und wie viele Sicherungen ergibt das im Verteiler? Die Frage entscheidet über mehr als den Preis des Verteilers. Sie bestimmt, ob im Home-Office das Licht ausgeht, wenn in der Küche der Toaster einen Kurzschluss hat, ob die Tiefkühltruhe am selben FI hängt wie die Außensteckdose im Regen, und ob in fünf Jahren noch Platz für Wallbox und Wärmepumpe ist. Dieser Beitrag erklärt, was DIN 18015-2 als Untergrenze vorgibt, welche Geräte einen eigenen Stromkreis bekommen, wie viele Steckdosen an eine Sicherung gehören und wie die Fehlerstromschutzschalter aufgeteilt werden – mit einer vollständigen Stromkreisliste für ein Einfamilienhaus mit 140 m². Die Aufteilung selbst und die Auswahl der Schutzeinrichtungen sind Aufgabe der Elektrofachkraft; der Bauherr sollte aber wissen, wonach er fragt.
1 · Was ein Stromkreis ist: Sicherung, Leitung, Länge
Ein Stromkreis ist alles, was hinter einem Leitungsschutzschalter im Verteiler hängt: die Leitung, die Abzweigdosen und die Steckdosen, Schalter oder Geräte, die daran angeschlossen sind. Der Leitungsschutzschalter – umgangssprachlich die Sicherung – schützt nicht das Gerät, sondern die Leitung: Er schaltet ab, bevor sich der Leiter durch Überlast oder Kurzschluss unzulässig erwärmt. Deshalb gehören Absicherung und Leiterquerschnitt immer zusammen.
In Wohngebäuden sind zwei Kombinationen verbreitet. B16 mit 2,5 mm² ist für Steckdosenstromkreise die Kombination mit Reserve: 16 A Bemessungsstrom, 3.680 W an 230 V, und ein Leiter, der auch bei Häufung mehrerer Leitungen in einem Schlitz oder in einer gedämmten Wand noch trägt. B13 mit 1,5 mm² oder B10 mit 1,5 mm² ist die Wahl für Beleuchtungsstromkreise, an denen heute kaum mehr als ein paar hundert Watt hängen. Die früher übliche Kombination B16 mit 1,5 mm² ist nicht verboten, aber nur zulässig, wenn Verlegeart, Häufung und Umgebungstemperatur eine Strombelastbarkeit von mindestens 16 A ergeben – in einer wärmegedämmten Wand oder gebündelt mit mehreren Stromkreisen ist das oft nicht der Fall. Der Auslösecharakter B bedeutet, dass der Schalter bei Kurzschluss beim Drei- bis Fünffachen des Bemessungsstroms sofort auslöst; für Geräte mit hohem Einschaltstrom (Wallbox-Ladeelektronik, manche Wärmepumpen, Motoren) schreiben Hersteller teils den Charakter C vor.
Die dritte Größe ist die Leitungslänge. Je länger die Leitung, desto größer der Spannungsfall unter Last und desto höher die Schleifenimpedanz, die der Leitungsschutzschalter im Kurzschlussfall sehen muss. DIN VDE 0100-520 empfiehlt im Anhang G höchstens 3 % Spannungsfall für Beleuchtung und 5 % für sonstige Verbraucher ab Übergabepunkt; DIN 18015-1 setzt für den Abschnitt zwischen Zähler und Steckdose nach Sekundärquellen 3 % an. Bei 1,5 mm² ist das bei 16 A und rund 20 m Leitung erreicht, bei 2,5 mm² bei etwa 30 bis 35 m. Wie sich Belastbarkeit, Häufung und Spannungsfall gegeneinander abwägen, zeigt der Beitrag Kabelquerschnitt richtig bestimmen; für einen konkreten Fall rechnet der Leitungsrechner. Für die Stromkreisplanung genügt die Faustregel: Steckdosen in 2,5 mm², Licht in 1,5 mm², lange Wege zu Garage, Garten oder Dachgeschoss gesondert prüfen lassen.
2 · Mindestanzahl der Stromkreise nach Wohnfläche
DIN 18015-2 „Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 2: Art und Umfang der Mindestausstattung“ (Ausgabe Oktober 2021) legt eine Untergrenze fest, die nur für die Stromkreise der allgemeinen Steckdosen und der Beleuchtung gilt und nach Wohnfläche gestaffelt ist. Die RAL-RG 678 übernimmt diese Werte für die Mindestausstattung (Ausstattungswert 1) und zählt bei Standard- und Komfortausstattung nicht mehr nach Fläche, sondern je Wohnbereich – was auf mehr Stromkreise hinausläuft.
| Wohnfläche der Wohnung | Mindestanzahl Stromkreise für Steckdosen und Beleuchtung | Praxis im Einfamilienhaus (Erfahrungswert) |
|---|---|---|
| bis 50 m² | 3 | 4 – 5 (Licht getrennt, Küche mit zwei Kreisen) |
| über 50 bis 75 m² | 4 | 5 – 7 |
| über 75 bis 100 m² | 5 | 7 – 9 |
| über 100 bis 125 m² | 6 | 9 – 12 |
| über 125 m² | 7 | 12 – 16 (je Wohnraum ein Steckdosenkreis, Licht je Etage) |
Die Tabelle ist bewusst niedrig: Sieben Stromkreise für ein Haus mit 140 m² wären ein Kreis für die gesamte Beleuchtung und sechs für alle Steckdosen von Keller bis Dach. Das erfüllt die Norm, aber nicht den Zweck, denn jeder Fehler legt dann ein Viertel des Hauses lahm. In der rechten Spalte steht, was sich in der Praxis bewährt hat, wenn Beleuchtung und Steckdosen getrennt und Wohnräume einzeln abgesichert werden. Hinzu kommen in jedem Fall die Einzelstromkreise aus Abschnitt 3 – bei einem Einfamilienhaus mit Wärmepumpe und Wallbox sind das weitere 8 bis 12. So entsteht die Größenordnung von 15 bis 25 Stromkreisen, mit der ein Verteiler für ein Haus dieser Größe zu planen ist. Wie viele Steckdosen und Auslässe je Raum dahinterstehen, steht im Beitrag Wie viele Steckdosen pro Raum?.
3 · Welche Geräte einen eigenen Stromkreis bekommen
DIN 18015-2 verlangt für bestimmte Geräte jeweils einen eigenen Stromkreis, weil sie entweder dauerhaft hohe Leistung ziehen oder weil ihr Ausfall nicht vom Toaster abhängen darf. Die Tabelle fasst zusammen, was in einem Einfamilienhaus üblicherweise einzeln abgesichert wird; die Leitungsangaben sind die verbreiteten Kombinationen für kurze Wege und müssen von der Elektrofachkraft nach Verlegeart, Häufung und Länge bestätigt werden.
| Gerät | Absicherung (üblich) | Leitung (üblich) | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Elektroherd / Kochfeld | 3 × B16 | NYM-J 5 × 2,5 mm² | immer Drehstrom; Induktionsfelder mit 7 bis 11 kW brauchen alle drei Außenleiter; Herdanschlussdose, kein Stecker |
| Backofen (separat eingebaut) | B16 | 3 × 2,5 mm² | eigener Stromkreis, nicht am Herdanschluss mitversorgt |
| Geschirrspüler | B16 | 3 × 2,5 mm² | Pflicht nach DIN 18015-2; Steckdose im Nachbarschrank |
| Waschmaschine | B16 | 3 × 2,5 mm² | eigener Stromkreis, auch im Bad oder Hauswirtschaftsraum |
| Wäschetrockner | B16 | 3 × 2,5 mm² | eigener Stromkreis; Wärmepumpentrockner braucht ihn ebenfalls, wenn fest eingeplant |
| Mikrowelle / Dampfgarer | B16 | 3 × 2,5 mm² | eigener Stromkreis nach DIN 18015-2, wenn als Einbaugerät geplant |
| Kühl-/Gefriergerät | B16 oder RCBO | 3 × 2,5 mm² | nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll: eigener Kreis mit eigenem Fehlerstromschutz, damit ein Fehler anderswo nicht die Truhe abtaut |
| Durchlauferhitzer 18 – 27 kW | 3 × B32 bis 3 × B40 | 5 × 4 bis 5 × 6 mm² | Festanschluss, Drehstrom, Anmeldung beim Netzbetreiber; Querschnitt nach Leistung und Länge |
| Wärmepumpe (Außeneinheit) | 3 × B16 bis 3 × C20 nach Hersteller | 5 × 2,5 mm² oder mehr | eigener Stromkreis und eigener RCD (Typ nach Herstellerangabe); über 4,2 kW steuerbar nach § 14a EnWG; Innengerät/Regler oft zusätzlich einphasig |
| Wallbox 11 kW | 3 × B16 oder 3 × C16 | 5 × 2,5 mm² (kurz) bis 5 × 6 mm² | eigener Stromkreis und eigener Fehlerstromschutz nach DIN VDE 0100-722 (Typ A + DC-Fehlerstromerkennung 6 mA oder Typ B); Anmeldung beim Netzbetreiber; über 4,2 kW steuerbar nach § 14a EnWG |
| Lüftungsanlage | B10 – B16 | 3 × 1,5 mm² | eigener Stromkreis, damit sie nicht mit den Steckdosen abgeschaltet wird |
| Heizung / Heizungsregler | B10 – B16 | 3 × 1,5 mm² | eigener Kreis, gut beschriftet; klassisch als „Heizungsnotschalter“ bekannt |
| Photovoltaik-Wechselrichter | 3 × B16 bis 3 × B25 nach Hersteller | 5 × 2,5 bis 5 × 6 mm² | eigener Stromkreis; Anmeldung im Marktstammdatenregister und beim Netzbetreiber; Batteriespeicher gesondert |
| Sauna, Infrarotkabine | 3 × B16 (Sauna) / B16 | 5 × 2,5 mm² / 3 × 2,5 mm² | Saunaöfen ab 6 kW als Drehstromanschluss; Steuergerät berücksichtigen |
Zwei Grundsätze ergänzen die Tabelle. Beleuchtung getrennt von Steckdosen: Wenn ein defektes Gerät den Steckdosenkreis auslöst, soll das Licht anbleiben – und umgekehrt. Sinnvoll ist ein Lichtstromkreis je Etage, in größeren Häusern zusätzlich einer für den Außenbereich. Räume mit besonderem Schutzbedürfnis einzeln: Kinderzimmer bekommen einen eigenen Steckdosenkreis, damit ein Fehler dort nur dort wirkt; das Home-Office ebenfalls, damit Rechner und Router nicht abstürzen, wenn im Bad der Fön einen Kurzschluss verursacht. Für § 14a EnWG gilt: Wärmepumpe und Wallbox sind als steuerbare Verbrauchseinrichtungen jeweils einzeln beim Netzbetreiber anzumelden, und der Steuereingang muss vom Zählerplatz erreichbar sein – ein Leerrohr vom Zählerschrank zum Aufstellort spart später den Aufwand; Hintergründe im Beitrag Wärmepumpenstrom und § 14a EnWG.
4 · Wie viele Steckdosen pro Sicherung – und wie man Räume aufteilt
Die Normen nennen keine Höchstzahl. Weder DIN 18015-2 noch DIN VDE 0100 begrenzen die Anzahl der Steckdosen je Stromkreis; sie begrenzen die Belastung, und die hängt davon ab, was eingesteckt wird. Ein 16-A-Stromkreis liefert dauerhaft 3.680 W. In Wohnräumen laufen selten mehr als zwei oder drei Geräte gleichzeitig unter Volllast, und so hat sich als Erfahrungswert etabliert, etwa 8 bis 10 Steckdosen je 16-A-Stromkreis zu verdrahten. Das ist kein Normwert, sondern eine Größenordnung, die im Einzelfall nach oben oder unten abweicht: Ein Stromkreis mit Stehlampe, Ladegeräten, Fernseher und Spielkonsole trägt zwölf Steckdosen ohne Probleme; drei Steckdosen über der Küchenarbeitsplatte mit Wasserkocher (2.000 W), Kaffeevollautomat (1.500 W) und Toaster (1.000 W) sind ein voller Stromkreis.
Daraus folgt die Aufteilung, die sich in der Praxis bewährt hat:
- Küche: mindestens zwei Steckdosenkreise für die Arbeitsplatte, links und rechts des Kochfelds getrennt, dazu die Einzelstromkreise für Herd, Backofen, Spülmaschine und – empfehlenswert – Kühl-/Gefriergerät. Eine offene Küche mit Kochinsel bekommt einen dritten Kreis für die Insel.
- Wohn- und Essbereich: ein bis zwei Kreise, getrennt nach TV-Wand und Esstisch-/Fensterseite, wenn dort Raclette, Fondue oder ein Heizlüfter denkbar sind.
- Je Schlaf-, Kinder- und Arbeitszimmer ein eigener Steckdosenkreis. Kleine Räume mit wenigen Steckdosen (Gästezimmer, Ankleide) lassen sich zu zweit zusammenfassen.
- Bad und Flur je Etage ein Kreis, im Bad Waschmaschine und Trockner einzeln.
- Hauswirtschafts-, Technik- und Kellerräume: ein Kreis für die allgemeinen Steckdosen, Großgeräte einzeln, Werkbank mit eigenem Kreis, wenn dort Maschinen laufen.
- Außenbereich, Garage, Carport: eigener Kreis mit eigenem RCD, damit Feuchte im Garten nicht das Haus abschaltet. Eine Wallbox ist davon immer getrennt.
Die Zuordnung sollte im Plan sichtbar sein: Jede Steckdose bekommt die Nummer ihres Stromkreises, im Verteiler steht dieselbe Nummer am Leitungsschutzschalter. Wer die Nummern im Grundriss zeichnet, erkennt sofort, wo zwei Räume unnötig an einer Sicherung hängen oder wo ein Kreis über drei Etagen läuft.
Passendes Werkzeug Steckdosenplaner mit Stromkreisliste Im Steckdosenplaner lassen sich Stromkreise mit Absicherung und Leitungstyp anlegen und den Steckdosen, Leuchten und Anschlüssen zuordnen; jeder Kreis bekommt eine Farbe im Plan, und die Stromkreisliste landet auf dem Planblatt. Für die Beschriftung des Verteilers gibt es das Schwester-Werkzeug „Unterverteilung beschriften“.5 · FI-Schutzschalter: Pflicht, Gruppen, RCBO
Der Fehlerstromschutzschalter (RCD, umgangssprachlich FI) ergänzt den Leitungsschutzschalter: Er schaltet ab, wenn Strom über einen anderen Weg als den Neutralleiter zurückfließt – etwa über einen Menschen. DIN VDE 0100-410 (Ausgabe Oktober 2018) verlangt einen RCD mit höchstens 30 mA Bemessungsdifferenzstrom für alle Steckdosenstromkreise bis 32 A, die von Laien benutzt werden, und für Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen. Damit ist praktisch jeder Stromkreis eines Wohnhauses erfasst. Fest angeschlossene Geräte wie Herd, Durchlauferhitzer oder Wärmepumpe fallen nicht generell unter diese Anforderung, werden in der Praxis aber ebenfalls über einen RCD geführt; für Wallboxen schreibt DIN VDE 0100-722 einen eigenen Fehlerstromschutz mit Gleichfehlerstromerkennung vor.
Nicht alles an einen FI. DIN 18015-2 verlangt nach Sekundärquellen, dass ein einzelner Fehlerstromschutzschalter nicht alle Stromkreise einer Wohnung abschaltet. Der Grund ist derselbe wie bei den Stromkreisen: Ein Fehler im Toaster darf nicht das ganze Haus dunkel machen. Wie viele Stromkreise an einen RCD dürfen, sagt die Norm nicht; der RCD muss für den Summenstrom bemessen sein (üblich 40 A oder 63 A), und die vorgeschaltete Sicherung darf seinen Bemessungsstrom nicht überschreiten. In der Praxis haben sich zwei bis vier RCD-Gruppen mit je 4 bis 8 Stromkreisen bewährt, sinnvoll aufgeteilt nach Etage oder nach Funktion:
| RCD-Gruppe | Stromkreise | Warum getrennt |
|---|---|---|
| RCD 1 · Erdgeschoss | Licht EG, Steckdosen Wohnen/Essen, Küche Arbeitsplatte, Flur, Gäste-WC | Fehler im Wohnbereich lässt das Obergeschoss unberührt |
| RCD 2 · Obergeschoss | Licht OG, Steckdosen Schlafzimmer, Kinderzimmer, Home-Office, Bad, Flur | Kinderzimmer und Arbeitsplatz bleiben versorgt, wenn unten etwas auslöst |
| RCD 3 · Küche und Hauswirtschaft | Herd, Backofen, Spülmaschine, Waschmaschine, Trockner, Steckdosen HWR | Großgeräte mit Wasser- und Feuchtekontakt sind die häufigste Auslöseursache |
| RCD 4 · Außen und Nebenräume | Außensteckdosen, Außenlicht, Garage, Keller, Gartenhaus | Regen in einer Außensteckdose schaltet nicht das Haus ab |
| RCBO einzeln | Kühl-/Gefriergerät, Home-Office, Heizung, Lüftung, Aquarium, Serverschrank | eigener Fehlerstromschutz je Kreis: nur dieser Kreis fällt aus |
| Eigener RCD je Gerät | Wallbox, Wärmepumpe, PV-Wechselrichter | Herstellervorgabe; Typ A mit DC-Erkennung, Typ F oder Typ B je nach Gerät |
RCBO sind Kombinationen aus Fehlerstrom- und Leitungsschutzschalter in einem Gerät, meist ein bis zwei Teilungseinheiten breit. Sie kosten mehr als ein Leitungsschutzschalter hinter einem Gruppen-RCD, dafür schaltet ein Fehler nur den einen Kreis ab. Für Kühlgerät, Home-Office, Heizung und Lüftung ist das die sinnvollste Lösung; wer es sich leisten will, sichert jeden Steckdosenkreis so ab und spart die Gruppen ganz. Beim RCD-Typ gilt: Typ A (pulsstromsensitiv) ist der Standard für Wohngebäude; Geräte mit Frequenzumrichter oder Ladeelektronik (Wallbox, Wärmepumpe, Wechselrichter, große Waschmaschinen) können glatte Gleichfehlerströme erzeugen, die ein Typ A nicht erkennt und die ihn blockieren können – hier gibt der Hersteller Typ F oder Typ B vor oder liefert die Gleichfehlerstromerkennung im Gerät mit. Diese Angaben stehen in der Installationsanleitung und gehören in die Stromkreisliste.
6 · Überspannungsschutz, AFDD und Reserve im Verteiler
Überspannungsschutz ist Pflicht. Seit der Ausgabe Oktober 2016 von DIN VDE 0100-443 (wann Überspannungsschutz erforderlich ist) und DIN VDE 0100-534 (wie er errichtet wird) sind Überspannungsschutzgeräte in Neubauten auch ohne äußeren Blitzschutz gefordert, weil praktisch jedes Haus Betriebsmittel enthält, deren Ausfall Menschen betrifft – Heizung, Rauchwarnmelder, Kommunikation. Die Übergangsfrist endete am 14. Dezember 2018; seither gilt die Anforderung für jede neu errichtete Anlage, und bei wesentlichen Änderungen im Bestand wird der Ableiter in der Regel mit nachgerüstet. Üblich ist ein Typ-2-Ableiter im Stromkreisverteiler (Kombiableiter Typ 1+2 am Hausanschluss oder im Zählerschrank, wenn eine Blitzschutzanlage vorhanden ist oder die Einspeisung über eine Freileitung erfolgt); Netzwerk, Antenne und PV-Gleichstromseite bekommen eigene Ableiter. Der Ableiter belegt zwei bis vier Teilungseinheiten und braucht eine Vorsicherung – beides bei der Verteilergröße einplanen.
Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtungen (AFDD) erkennen Lichtbögen an losen Klemmen oder beschädigten Leitungen, die weder Leitungsschutzschalter noch RCD auslösen. DIN VDE 0100-420 (Ausgabe Oktober 2019) verlangt sie nach Sekundärquellen nur in Sonderfällen – Räume mit Schlafgelegenheiten in Betreuungseinrichtungen, Bauten aus brennbaren Baustoffen, Räume mit unersetzbaren Gütern – und stellt sie für andere Anlagen in eine Risiko- und Sicherheitsbewertung. Für ein Wohnhaus in Massivbauweise sind sie damit eine Empfehlung, für ein Holzhaus ist die Bewertung mit dem Elektrobetrieb zu führen. Jeder AFDD belegt eine weitere Teilungseinheit je Stromkreis.
Reserve im Stromkreisverteiler. DIN 18015-1 verlangt nach Sekundärquellen für Mehrraumwohnungen einen Verteiler mit mindestens vier Reihen zu je zwölf Teilungseinheiten und empfiehlt 20 Prozent Platzreserve – zum einen für Nachrüstungen, zum anderen, weil ein nicht vollgestopfter Verteiler die Wärme der Schutzgeräte besser abführt. Für ein Einfamilienhaus mit 20 bis 25 Stromkreisen reichen vier Reihen nicht: 25 Leitungsschutzschalter, vier bis sechs RCD zu je zwei bis vier Teilungseinheiten, der Überspannungsableiter, Reihenklemmen und ein paar Schütze oder Stromstoßschalter belegen 50 bis 60 Teilungseinheiten. Mit 20 Prozent Reserve sind das fünf bis sechs Reihen; wer Smart-Home-Aktoren als Reiheneinbaugeräte plant, rechnet mit einem zweiten Feld. Ein 13-Reihen-Zählerschrank mit integriertem Verteilerfeld ist deshalb im Neubau oft günstiger als ein getrennter Wandverteiler.
7 · Beispiel-Stromkreisliste: 140-m²-Einfamilienhaus
Ein Einfamilienhaus mit 140 m² Wohnfläche: offener Wohn-Essbereich mit Küche im Erdgeschoss, Flur, Gäste-WC, Hauswirtschaftsraum; im Obergeschoss Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer, Home-Office, Bad, Flur; dazu Technikraum, Garage, Terrasse, Luft-Wasser-Wärmepumpe, 11-kW-Wallbox und PV-Anlage. Die Liste zeigt, wie die Grundsätze aus den Abschnitten 3 bis 5 zusammenkommen. Die Absicherungen und Leitungen sind die üblichen Kombinationen; die verbindliche Auslegung nach Verlegeart, Häufung und Länge macht die Elektrofachkraft.
| Nr. | Bezeichnung | Absicherung | Leitung | RCD-Gruppe |
|---|---|---|---|---|
| F1 | Licht Erdgeschoss | B10 | NYM-J 3 × 1,5 mm² | RCD 1 |
| F2 | Licht Obergeschoss | B10 | 3 × 1,5 mm² | RCD 2 |
| F3 | Licht außen, Garage | B10 | 3 × 1,5 mm² | RCD 4 |
| F4 | Steckdosen Wohnen / Essen | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 1 |
| F5 | Steckdosen Küche Arbeitsplatte links | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 1 |
| F6 | Steckdosen Küche Arbeitsplatte rechts, Insel | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 1 |
| F7 | Steckdosen Flur EG, Gäste-WC | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 1 |
| F8 | Herd / Kochfeld | 3 × B16 | 5 × 2,5 mm² | RCD 3 |
| F9 | Backofen | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 3 |
| F10 | Geschirrspüler | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 3 |
| F11 | Kühl-/Gefriergerät | RCBO B16 | 3 × 2,5 mm² | eigener |
| F12 | Steckdosen Schlafzimmer | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 2 |
| F13 | Steckdosen Kinderzimmer 1 | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 2 |
| F14 | Steckdosen Kinderzimmer 2 | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 2 |
| F15 | Steckdosen Home-Office | RCBO B16 | 3 × 2,5 mm² | eigener |
| F16 | Steckdosen Bad, Flur OG | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 2 |
| F17 | Waschmaschine | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 3 |
| F18 | Trockner | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 3 |
| F19 | Steckdosen Hauswirtschaft, Technik | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 3 |
| F20 | Steckdosen außen, Garage | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 4 |
| F21 | Lüftungsanlage | RCBO B10 | 3 × 1,5 mm² | eigener |
| F22 | Wärmepumpe Außeneinheit | 3 × B16 (nach Hersteller) | 5 × 2,5 mm² (Länge prüfen) | RCD 5, Typ nach Hersteller |
| F23 | Wärmepumpe Innengerät / Regler | B16 | 3 × 2,5 mm² | RCD 5 |
| F24 | Wallbox 11 kW | 3 × B16 oder 3 × C16 | 5 × 2,5 bis 5 × 6 mm² | RCD 6, Typ A + DC 6 mA oder Typ B |
| F25 | PV-Wechselrichter | 3 × B16 (nach Hersteller) | 5 × 2,5 mm² | nach Hersteller |
| – | Reserve | mind. 20 % der Teilungseinheiten frei | – | – |
Das sind 25 Stromkreise, sechs Gruppen-RCD und drei RCBO – ohne Überspannungsableiter, Reihenklemmen, Stromstoßschalter für die Tasterschaltungen und den Steuerkontakt für § 14a. Im Verteiler belegt das rund 60 Teilungseinheiten; mit Reserve ergibt sich ein sechsreihiges Feld. Zum Vergleich: Die Mindestanzahl nach DIN 18015-2 wären 7 Stromkreise für Licht und Steckdosen plus 6 Einzelstromkreise – ein Verteiler mit 13 Sicherungen würde die Norm erfüllen und wäre in dem Moment zu klein, in dem die erste Wallbox kommt. Die Liste gehört als Stromkreisverzeichnis in die Verteilertür; DIN VDE 0100-510 verlangt, dass jeder Stromkreis eindeutig gekennzeichnet ist. Das Werkzeug Unterverteilung beschriften erzeugt daraus Beschriftungsstreifen und Verzeichnis.
8 · Typische Planungsfehler
- Küche an einer Sicherung. Ein Stromkreis für alle Steckdosen der Arbeitsplatte ist der häufigste Fehler in Angeboten nach Mindestausstattung. Wasserkocher und Kaffeemaschine allein reichen, um ihn auszulösen. Zwei Kreise links und rechts vom Kochfeld sind das Minimum.
- Licht und Steckdosen gemischt. Wenn der Stromkreis eines Raumes Licht und Steckdosen versorgt, steht man bei jedem Fehler im Dunkeln. Licht je Etage getrennt absichern.
- Ein FI für alles. Der klassische Bestandsverteiler hat einen 40-A-RCD vor sämtlichen Stromkreisen. Ein feuchtes Verlängerungskabel im Garten schaltet dann Kühlschrank, Heizung und Router ab. Mindestens zwei, besser drei bis vier Gruppen und RCBO für die kritischen Kreise.
- Kühlgerät am Küchenkreis. Wer nach zwei Wochen Urlaub eine aufgetaute Truhe vorfindet, weil der Toaster den FI ausgelöst hat, hätte 30 Euro für einen RCBO gern ausgegeben.
- Verteiler ohne Reserve. Vier Reihen sind mit einem Einfamilienhaus voll, bevor Wallbox, Wärmepumpe oder ein Speicher geplant sind. Fünf bis sechs Reihen kosten im Neubau kaum mehr; nachträglich ein zweites Feld zu setzen kostet einen Arbeitstag und Wandfläche.
- Lange Wege in 1,5 mm². Steckdosen im Gartenhaus, in der Garage oder im ausgebauten Dach hängen oft an 30 bis 40 m Leitung. In 1,5 mm² ist dort der Spannungsfall überschritten und die Abschaltbedingung im Kurzschlussfall wird knapp. Lange Wege in 2,5 oder 4 mm² planen.
- Kein Leerrohr zum Zählerplatz. Steuerleitungen für § 14a, PV-Wechselrichter, Speicher und Smart-Meter-Gateway brauchen den Weg vom Zählerschrank zum Technikraum, zur Garage und zum Wärmepumpen-Standort. Ein M25-Leerrohr je Richtung im Rohbau kostet fast nichts.
- Beschriftung vergessen. „Steckdosen OG“ auf sechs Sicherungen hilft niemandem. Jeder Stromkreis bekommt Nummer, Raum und Funktion, im Plan und im Verteiler identisch.
9 · Häufige Fragen
Wie viele Stromkreise braucht ein Einfamilienhaus?
DIN 18015-2 nennt als Mindestanzahl für Steckdosen und Beleuchtung 3 Stromkreise bis 50 m², 4 bis 75 m², 5 bis 100 m², 6 bis 125 m² und 7 über 125 m² Wohnfläche. Dazu kommen die eigenen Stromkreise für Herd, Backofen, Spülmaschine, Waschmaschine, Trockner, Warmwassergerät, Wärmepumpe, Wallbox, Lüftung und Photovoltaik. Ein Einfamilienhaus mit 130 bis 150 m² liegt damit in der Praxis bei 15 bis 25 Stromkreisen.
Wie viele Steckdosen dürfen auf einen Stromkreis?
Die Normen begrenzen die Belastung, nicht die Anzahl. Ein 16-A-Stromkreis liefert dauerhaft 3.680 W. Als Erfahrungswert haben sich 8 bis 10 Steckdosen je 16-A-Stromkreis etabliert, weil in Wohnräumen selten mehr als zwei oder drei Geräte gleichzeitig unter Volllast laufen. Entscheidend ist, was angeschlossen wird: Über der Küchenarbeitsplatte sind drei Steckdosen mit Wasserkocher, Kaffeemaschine und Toaster ein voller Stromkreis.
Wie viele Stromkreise dürfen an einen FI-Schutzschalter?
Eine feste Höchstzahl gibt es nicht; der Fehlerstromschutzschalter muss für den Summenstrom der nachgeschalteten Stromkreise bemessen sein, in Wohnungen üblicherweise 40 oder 63 A. DIN 18015-2 verlangt nach Sekundärquellen, dass ein einzelner Fehlerstromschutzschalter nicht alle Stromkreise einer Wohnung abschaltet. In der Praxis werden je RCD etwa 4 bis 8 Stromkreise zusammengefasst, sinnvoll getrennt nach Etage oder Funktion; für Kühlgerät, Home-Office und Heizung bieten sich RCBO an.
Braucht jeder Stromkreis einen FI-Schutzschalter?
Nach DIN VDE 0100-410 brauchen alle Steckdosenstromkreise bis 32 A, die von Laien benutzt werden, einen Fehlerstromschutz mit höchstens 30 mA Bemessungsdifferenzstrom, ebenso Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen. Fest angeschlossene Geräte wie Herd, Durchlauferhitzer oder Wärmepumpe sind davon nicht generell erfasst, werden in der Praxis aber ebenfalls über einen RCD geführt; für Wallboxen schreibt DIN VDE 0100-722 einen Fehlerstromschutz mit Gleichfehlerstromerkennung vor.
Wie groß muss der Stromkreisverteiler sein?
DIN 18015-1 verlangt nach Sekundärquellen für Mehrraumwohnungen einen Verteiler mit mindestens vier Reihen zu je zwölf Teilungseinheiten und empfiehlt 20 Prozent Platzreserve. Für ein Einfamilienhaus mit 20 bis 25 Stromkreisen, drei bis sechs RCD, Überspannungsableiter und Reihenklemmen reichen vier Reihen nicht; üblich sind fünf bis sechs Reihen oder ein zweites Feld, wenn Wallbox, Wärmepumpe, Speicher oder Smart-Home-Aktoren dazukommen.
Ist Überspannungsschutz im Einfamilienhaus Pflicht?
Ja, für Neuanlagen. DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534 in der Ausgabe Oktober 2016 verlangen Überspannungsschutz auch in Wohngebäuden ohne äußeren Blitzschutz; die Übergangsfrist endete am 14. Dezember 2018. Üblich ist ein Typ-2-Ableiter im Stromkreisverteiler, bei Blitzschutzanlage oder Freileitungseinspeisung ein Typ-1-Ableiter am Hausanschluss. Bei größeren Änderungen an Bestandsanlagen wird der Ableiter in der Regel nachgerüstet.
Muss die Wallbox einen eigenen Stromkreis bekommen?
Ja. Eine Wallbox ist ein Dauerverbraucher und wird nach DIN VDE 0100-722 über einen eigenen Stromkreis mit eigenem Fehlerstromschutz angeschlossen: RCD Typ A plus Gleichfehlerstromerkennung in der Wallbox oder RCD Typ B. Eine 11-kW-Wallbox braucht Drehstrom mit 3 × 16 A; sie ist beim Netzbetreiber anzumelden und gilt seit 2024 nach § 14a EnWG ab 4,2 kW als steuerbare Verbrauchseinrichtung, ebenso wie eine Wärmepumpe dieser Leistung.
Stand: 29.08.2026. Normbezug: DIN 18015-1 (Planungsgrundlagen, Stromkreisverteiler), DIN 18015-2:2021-10 (Mindestausstattung, Mindestanzahl der Stromkreise), DIN VDE 0100-410:2018-10 (Fehlerstromschutz), DIN VDE 0100-420:2019-10 (AFDD), DIN VDE 0100-443/-534:2016-10 (Überspannungsschutz), DIN VDE 0100-520 (Spannungsfall), DIN VDE 0100-722 (Ladeeinrichtungen), § 14a EnWG. Die Normtexte sind kostenpflichtig; die Angaben zu Verteilergröße, Reserve und RCD-Aufteilung stammen aus Sekundärquellen (Hersteller-Fachinformationen), die Absicherungen und Leitungen in den Tabellen sind übliche Kombinationen, keine Auslegung. Die Aufteilung der Stromkreise, die Auswahl der Schutzeinrichtungen und die Leitungsbemessung gehören in die Hand einer Elektrofachkraft. Weiterlesen: Wie viele Steckdosen pro Raum? · Lichtschalter planen: Wechsel-, Kreuz- und Tasterschaltung · Steckdosen in der Küche planen · Elektroplanung-Checkliste · Kabelquerschnitt richtig bestimmen · Steckdosen-Höhe und Installationszonen · Elektro-Symbole im Installationsplan · Elektroplan zeichnen: Anleitung